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von links: Axel Thelen, Prof. Dr. Thorsten Piske, NRW Bildungsministerin Sylvia Löhrmann

Wie erreicht Deutschland Mehrsprachigkeit als gesellschaftlichen Standard? 19.02.2016 - 17:54 Uhr

NRW Bildungsministerin Sylvia Löhrmann und Axel Thelen, Gründer der educcare Bildungskindertagesstätten diskutierten auf dem Fachtag "Mehr Mehrsprachigkeit! in Krippen, Kitas und Schulen“ des Vereins für Mehrsprachigkeit am 18.2.16.
Ausgangspunkt der Diskussion war die These, dass Institutionen und Politik den Weg in eine mehrsprachige Gesellschaft aktiver gestalten müssen. Die Europäische Union (EU) empfiehlt, drei Sprachen zu vermitteln, doch Deutschland ist in der Mehrheit nicht einmal zweisprachig.
Während in der Diskussionsrunde Einigkeit darüber bestand, dass Mehrsprachigkeit in unserer Gesellschaft das erwünschte Ziel ist, bestand Unsicherheit auf dem Weg dahin.
educcare setzt seit der Gründung 2002 erfolgreich einen bilingualen Kita-Alltag in 26 eigenen Kindertagesstätten um. Über die Methode der Immersion wird den Kindern ein natürliches Kennenlernen und Erlernen einer weiteren Sprache ermöglicht.
Das wissenschaftlich abgesicherte Immersionsprinzip sieht vor, dass eine Bezugsperson ausschließlich in einer Sprache mit dem Kind spricht – ob das zuhause die Mutter oder in der Kita die Bezugserzieherin ist. Pädagogische Fachkräfte mit den erforderlichen Zweit-Sprachkenntnissen zu finden, ist bei dem derzeitigen Erzieherinnenmangel eine Herausforderung, bei educcare bisher aber weitgehend gelungen.
Axel Thelen betonte, welchen Spaß die ca. „2000 educcare-Kinder“ an der zweiten Sprache haben, welche Fortschritte sie erzielen und wie diese Erfolge die Kinder stärken. Ferner, dass Kooperationen mit Schulen für eine durchgängig mehrsprachige Bildung gelingen können, aber noch viel zu selten sind. Nach seiner Erfahrung gibt es zu wenig oder keine Anschlussangebote an Grundschulen und weiterführende Schulen.
educcare sieht, wie der Verein für Frühe Mehrsprachigkeit an Kitas und Schulen FMKS, folgende Notwendigkeiten, um Mehrsprachigkeit erfolgreich im deutschen Bildungssystem zu verankern:

  • Institutionsübergreifende und verlässliche Angebote von Kita über Grundschule bis zur weiterführenden Schule auf Basis des Immersionsansatzes
  • Eine klare Haltung zur Förderung der Mehrsprachigkeit seitens des Bildungsministeriums mit entsprechenden Angeboten und Werbekampagnen
  • Verbesserung der Ausbildung und Qualifizierung von pädagogischem Personal im Hinblick auf den Erwerb einer ersten und zweiten und weiteren Sprache
  • Erleichterung der Anerkennung von pädagogischem Personal aus dem Ausland

Bildungsministerin Löhrmann schätzt NRW auf die Herausforderungen bei der Sprachvermittlung gut vorbereitet ein. Auch die Anerkennungsverfahren von ausländischen Native-Speakern sollen über mehr Personal schneller umgesetzt werden können.
Abschließend stimmten die über 300 Teilnehmer überein, dass die vielen Kinder mit Fluchterfahrungen das Thema Sprachenlernen nicht nur in den allgemeinen Fokus gebracht haben. Mit ihnen ergibt sich auch eine Chance, die kulturelle Vielfalt in Kita und Schulen zu bereichern. Die Herausforderung, die dieser Zuwachs für die pädagogischen Fachkräfte mit sich bringt, ist hierbei von Trägern und Politik verlässlich zu unterstützen.

Der Fachtag "Mehr Mehrsprachigkeit! in Krippen, Kitas und Schulen“ im Rahmen der didacta 2016 wurde vom Verein für Mehrsprachigkeit FMKS und dem Bundesverband Leseförderung organisiert.